Thermometer eichen oder kalibrieren? So prüfen Sie richtig

Heinz Buchholz 8. September 2026
Vergleich eines zu prüfenden Temperatursensors mit einem Referenzthermometer zur Kalibrierung.

Inhaltsverzeichnis

Wer ein Thermometer eichen lassen möchte, meint im Alltag oft etwas anderes: eine Vergleichsmessung oder Kalibrierung. Ich zeige, wie sich die Begriffe unterscheiden, wie Sie ein Temperaturmessgerät mit einfachen Mitteln prüfen und wann ein akkreditiertes Labor für belastbare Ergebnisse nötig ist. Dabei geht es auch um typische Fehler bei Eiswasser, kochendem Wasser, Infrarotmessungen und industriellen Messketten.

Die wichtigsten Entscheidungen auf einen Blick

  • Kalibrieren dokumentiert die Abweichung, verändert das Thermometer aber nicht automatisch.
  • Eine Eiswasserprüfung liefert einen guten Plausibilitätscheck bei etwa 0 °C.
  • Der Siedepunkt liegt nicht überall exakt bei 100 °C, weil der Luftdruck eine Rolle spielt.
  • Für Qualitätssicherung und kritische Prozesse brauchen Sie ein rückführbares Kalibrierzertifikat.
  • Infrarotthermometer werden anders geprüft als Kontaktfühler und Pt100-Sensoren.

Mehrere Glas-Thermometer, bereit für die Kalibrierung, stehen auf schwarzen Sockeln.

Kalibrierung, Justage und Eichung sind nicht dasselbe

Beim Kalibrieren wird die Anzeige eines Thermometers mit einem genaueren Referenznormal verglichen. Das Ergebnis ist eine dokumentierte Messabweichung, zum Beispiel +0,8 K bei 20 °C. Das Gerät wird dabei normalerweise nicht verändert.

Eine Justage geht einen Schritt weiter. Dabei wird das Thermometer eingestellt, damit seine Anzeige näher am Referenzwert liegt. Nach einer Justage sollte erneut kalibriert werden, denn erst die zweite Messung zeigt, ob die Korrektur erfolgreich war.

Die Eichung ist dagegen ein gesetzlich geregeltes Verfahren. Ob sie erforderlich ist, hängt in Deutschland vom Messgerät, der Messaufgabe und dem Verwendungszweck ab. Für viele private Anwendungen und interne betriebliche Kontrollen reicht eine Kalibrierung oder Vergleichsprüfung aus. Bei eichpflichtigen Messungen gelten die Vorgaben der zuständigen Behörden.

Ich erlebe in der Praxis häufig, dass ein Werkszertifikat mit einer amtlichen Eichung gleichgesetzt wird. Das führt zu falschen Erwartungen. Ein Zertifikat kann die Genauigkeit und Messunsicherheit dokumentieren, ersetzt aber nicht automatisch die gesetzlichen Anforderungen an eine Eichung.

So prüfen Sie ein Thermometer Schritt für Schritt

Die Eiswasserprüfung für den unteren Messpunkt

Für eine einfache Prüfung füllen Sie ein Gefäß mit reichlich zerkleinertem Eis und geben nur so viel Wasser hinzu, dass eine breiige Mischung entsteht. Das Thermometer wird in die Mischung gehalten, ohne den Boden oder die Gefäßwand zu berühren. Unter normalen Bedingungen sollte die Anzeige nahe bei 0 °C liegen.

Rühren Sie vorsichtig um und warten Sie, bis sich der Messwert stabilisiert hat. Je nach Gerät dauert das etwa 30 Sekunden bis mehrere Minuten. Zeigt das Thermometer beispielsweise 2,1 °C an, ist es nicht zwingend defekt. Entscheidend ist, ob diese Abweichung für Ihre Anwendung akzeptabel ist.

Die Prüfung mit heißem oder kochendem Wasser

Kochendes Wasser wird oft als zweiter Prüfpunkt empfohlen. Das ist jedoch nur eine grobe Kontrolle, denn der Siedepunkt hängt vom aktuellen Luftdruck ab und kann in höheren Lagen oder bei Wetteränderungen deutlich von 100 °C abweichen.

Außerdem ist die Temperatur im Topf nicht überall gleich. Direkt am Boden, nahe der Oberfläche und in der Mitte können unterschiedliche Werte entstehen. Für eine sichere Vergleichsmessung sollte der Fühler ausreichend tief eintauchen, frei hängen und das Wasser bewegt werden. Wegen der Verbrühungsgefahr rate ich zu dieser Prüfung nur bei geeigneten Thermometern und mit ausreichendem Abstand.

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Der bessere Vergleich mit einem Referenzthermometer

Genauer als zwei Extrempunkte ist der Vergleich mit einem kalibrierten Referenzthermometer. Beide Sensoren messen dabei dasselbe Medium, etwa ein temperiertes Wasserbad oder ein Kalibrierbad. Die Sensoren müssen möglichst nahe beieinander liegen, dürfen sich aber nicht gegenseitig berühren.

  1. Wählen Sie einen Temperaturbereich, der Ihrer tatsächlichen Anwendung entspricht.
  2. Platzieren Sie Prüf- und Referenzfühler in derselben homogenen Zone.
  3. Warten Sie, bis beide Anzeigen stabil sind.
  4. Notieren Sie Sollwert, Prüfwert, Referenzwert, Umgebung und Zeitpunkt.
  5. Bewerten Sie die Differenz gegen Ihre zulässige Toleranz.

Ein Beispiel aus der Gebäudetechnik: Wenn ein Vorlauffühler um 1,5 K zu niedrig misst, kann die Regelung unnötig nachheizen. Bei einer einfachen Raumüberwachung ist diese Abweichung vielleicht unkritisch, bei einem empfindlichen Prozess kann sie bereits zu groß sein.

Welche Methode zu welchem Thermometer passt

Thermometertyp Sinnvolle Prüfung Worauf es ankommt
Glasthermometer Vergleich in Eiswasser oder temperiertem Bad Keine nachträgliche Justage bei vielen Bauarten möglich
Digitales Einstichthermometer Vergleich mit Referenzfühler Ausreichende Eintauchtiefe und Reaktionszeit
Pt100 oder Pt1000 Flüssigkeitsbad oder Blockkalibrator Sensor und Anzeige als komplette Messkette prüfen
Thermoelement Vergleichsmessung mit passender Referenz Stecker, Ausgleichsleitung und Vergleichsstelle berücksichtigen
Infrarotthermometer Schwarzkörperstrahler oder IR-Kalibrator Emissionsgrad, Messfleck, Abstand und Reflexion

Bei Kontaktthermometern ist der Sensor entscheidend. Ein hochwertiges Anzeigegerät hilft wenig, wenn der Fühler beschädigt, verschmutzt oder für den Messbereich ungeeignet ist. Bei abnehmbaren Sensoren sollte möglichst die komplette Kombination aus Fühler, Kabel und Anzeige geprüft werden.

Infrarotthermometer werden besonders oft falsch beurteilt. Eine glänzende Metallfläche reflektiert Wärmestrahlung aus der Umgebung, während matte Oberflächen meist leichter zu messen sind. Eine Prüfung mit Eiswasser beweist bei einem IR-Gerät deshalb nicht automatisch, dass es im Heizungs- oder Prozessbereich korrekt arbeitet.

Wann die Prüfung zu Hause nicht reicht

Ein Heimtest beantwortet vor allem die Frage, ob ein Thermometer offensichtlich falsch misst. Er liefert in der Regel keinen belastbaren Nachweis der Messunsicherheit und ersetzt kein Kalibrierzertifikat. Für private Koch-, Raum- oder Bastelanwendungen ist das oft ausreichend.

Ein Labor ist sinnvoll, wenn Messwerte über Freigaben, Hygiene, Sicherheit, Abrechnung oder Produktqualität entscheiden. Das gilt beispielsweise für Kühlketten, Wärmebehandlungen, Laborprozesse, Prüfstände und sicherheitsrelevante Anlagen. Die DAkkS beschreibt die metrologische Rückführung als nachvollziehbare Kette zu nationalen Normalen, die in Deutschland mit der PTB verbunden sind.

Ein professionelles Labor kalibriert meist an mehreren Punkten innerhalb des tatsächlichen Einsatzbereichs. Üblich sind beispielsweise drei Temperaturpunkte, etwa 0, 100 und 200 °C oder -20, 0 und 40 °C. Ein einzelner Punkt kann einen groben Fehler zeigen, sagt aber wenig über die Genauigkeit über den gesamten Messbereich aus.

Für ein einzelnes Gerät mit drei Prüfpunkten liegen einfache professionelle Leistungen je nach Anbieter oft grob bei 150 bis 250 Euro netto. DAkkS-Kalibrierungen, Sonderbereiche, Vor-Ort-Einsätze, Reparaturen und mehrere Sensoren können deutlich teurer werden. Entscheidend ist nicht nur der Preis, sondern ob Messbereich, Messunsicherheit und Zertifikat zu Ihrer Aufgabe passen.

Typische Fehler, die das Ergebnis verfälschen

Der häufigste Fehler ist der Kontakt des Fühlers mit dem Gefäßboden oder der Wand. Das Thermometer misst dann teilweise die Temperatur des Materials und nicht die des Mediums. Auch eine zu geringe Eintauchtiefe kann den Messwert verfälschen, besonders bei Fühlern mit definierter Sensorgeometrie.

  • Zu frühes Ablesen: Der Anzeigewert hat sich noch nicht stabilisiert.
  • Ungleichmäßiges Medium: In einem ruhenden Wasserbad entstehen Temperaturschichten.
  • Falsche Referenz: Zwei unkalibrierte Geräte beweisen nicht, welches richtig misst.
  • Unpassender Messbereich: Ein Sensor für Raumtemperatur ist nicht automatisch für hohe Prozesstemperaturen geeignet.
  • Verschmutzte Fühlerspitze: Rückstände können die Wärmeübertragung verlangsamen.
  • Nur ein Prüfpunkt: Ein Thermometer kann bei 0 °C korrekt und bei 100 °C deutlich falsch sein.

Bei fest eingebauten Fühlern kommt ein weiterer Punkt hinzu. Die Anzeige kann korrekt arbeiten, während der Sensor an einer ungünstigen Stelle sitzt, etwa direkt an einer Rohrisolierung oder in einer schlecht durchströmten Zone. Eine Kalibrierung der Elektronik behebt diesen Einbaufehler nicht.

Für die Prüfmittelüberwachung würde ich außerdem nie nur das Zertifikat abheften. Notieren Sie die zulässige Abweichung, den tatsächlichen Einsatzbereich, das Prüfdatum und einen Anlass für die nächste Prüfung. Ein festes Intervall von zwölf Monaten kann ein brauchbarer Start sein, muss aber nach Nutzung, Belastung und Fehlerhistorie angepasst werden.

Die kleine Prüfroutine, die im Betrieb viel Ärger spart

Für den Alltag genügt eine einfache Kombination aus Sichtprüfung, Eiswasservergleich und Kontrolle gegen ein geeignetes Referenzthermometer. Nach Sturz, Reparatur, ungewöhnlichen Messwerten oder einem Einsatz außerhalb des vorgesehenen Bereichs sollte das Gerät sofort erneut geprüft werden.

Bei kritischen Messungen zählt nicht die Anzeige mit den meisten Nachkommastellen, sondern die nachgewiesene Messunsicherheit. Wer die Messaufgabe, den Temperaturbereich und die geforderte Genauigkeit vor der Beauftragung festlegt, vermeidet unnötige Kosten und erhält am Ende einen Nachweis, der technisch und organisatorisch wirklich brauchbar ist.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Bei der Kalibrierung wird die Abweichung eines Thermometers mit einem genaueren Referenznormal dokumentiert, ohne das Gerät automatisch zu verändern. Eine Justage stellt das Gerät ein und sollte anschließend durch eine erneute Kalibrierung überprüft werden. Die Eichung ist ein gesetzlich geregeltes Verfahren und hängt vom Messgerät, der Messaufgabe und dem Verwendungszweck ab.

Füllen Sie ein Gefäß mit reichlich zerkleinertem Eis und nur so viel Wasser, dass eine breiige Mischung entsteht. Halten Sie den Fühler hinein, ohne Boden oder Wand zu berühren, rühren Sie vorsichtig um und warten Sie 30 Sekunden bis mehrere Minuten auf einen stabilen Wert. Unter normalen Bedingungen sollte die Anzeige nahe bei 0 °C liegen.

Der Siedepunkt hängt vom aktuellen Luftdruck ab und kann in höheren Lagen oder bei Wetteränderungen von 100 °C abweichen. Zusätzlich können im Topf je nach Position unterschiedliche Temperaturen entstehen. Für eine Vergleichsmessung sollte der Fühler frei und ausreichend tief eintauchen, während das Wasser bewegt wird.

Infrarotthermometer prüft man mit einem Schwarzkörperstrahler oder IR-Kalibrator und berücksichtigt dabei Emissionsgrad, Messfleck, Abstand und Reflexionen. Eine Eiswasserprüfung reicht für ein IR-Gerät deshalb nicht automatisch aus. Pt100- und Pt1000-Sensoren werden sinnvollerweise in einem Flüssigkeitsbad oder Blockkalibrator als komplette Messkette aus Sensor und Anzeige geprüft.

Ein Labor ist sinnvoll, wenn Messwerte über Freigaben, Hygiene, Sicherheit, Abrechnung oder Produktqualität entscheiden, etwa bei Kühlketten, Wärmebehandlungen oder Laborprozessen. Professionelle Kalibrierungen erfolgen meist an mehreren Punkten im Einsatzbereich und dokumentieren Messabweichung und Messunsicherheit. Für ein einzelnes Gerät mit drei Prüfpunkten liegen einfache Leistungen je nach Anbieter oft grob bei 150 bis 250 Euro netto.

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Autor Heinz Buchholz
Heinz Buchholz
Ich heiße Heinz Buchholz und bringe 11 Jahre Erfahrung in den Themen Gebäudetechnik, Industrie und Sicherheit auf leit-gmbh.de ein. Schon früh hat mich fasziniert, wie komplexe technische Systeme funktionieren und wie sie unser tägliches Leben sowie industrielle Prozesse beeinflussen. Es ist mir ein Anliegen, Ihnen die oft sperrigen Fachbegriffe aus diesen Bereichen verständlich zu machen und Ihnen zu zeigen, wie wichtig durchdachte Lösungen für Sicherheit und Effizienz sind. Bei meinen Beiträgen lege ich Wert darauf, Informationen gründlich zu recherchieren und die Zusammenhänge so aufzubereiten, dass sie für Sie nützlich und nachvollziehbar sind.

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