Wer ein Thermometer eichen lassen möchte, meint im Alltag oft etwas anderes: eine Vergleichsmessung oder Kalibrierung. Ich zeige, wie sich die Begriffe unterscheiden, wie Sie ein Temperaturmessgerät mit einfachen Mitteln prüfen und wann ein akkreditiertes Labor für belastbare Ergebnisse nötig ist. Dabei geht es auch um typische Fehler bei Eiswasser, kochendem Wasser, Infrarotmessungen und industriellen Messketten.
Die wichtigsten Entscheidungen auf einen Blick
- Kalibrieren dokumentiert die Abweichung, verändert das Thermometer aber nicht automatisch.
- Eine Eiswasserprüfung liefert einen guten Plausibilitätscheck bei etwa 0 °C.
- Der Siedepunkt liegt nicht überall exakt bei 100 °C, weil der Luftdruck eine Rolle spielt.
- Für Qualitätssicherung und kritische Prozesse brauchen Sie ein rückführbares Kalibrierzertifikat.
- Infrarotthermometer werden anders geprüft als Kontaktfühler und Pt100-Sensoren.

Kalibrierung, Justage und Eichung sind nicht dasselbe
Beim Kalibrieren wird die Anzeige eines Thermometers mit einem genaueren Referenznormal verglichen. Das Ergebnis ist eine dokumentierte Messabweichung, zum Beispiel +0,8 K bei 20 °C. Das Gerät wird dabei normalerweise nicht verändert.
Eine Justage geht einen Schritt weiter. Dabei wird das Thermometer eingestellt, damit seine Anzeige näher am Referenzwert liegt. Nach einer Justage sollte erneut kalibriert werden, denn erst die zweite Messung zeigt, ob die Korrektur erfolgreich war.
Die Eichung ist dagegen ein gesetzlich geregeltes Verfahren. Ob sie erforderlich ist, hängt in Deutschland vom Messgerät, der Messaufgabe und dem Verwendungszweck ab. Für viele private Anwendungen und interne betriebliche Kontrollen reicht eine Kalibrierung oder Vergleichsprüfung aus. Bei eichpflichtigen Messungen gelten die Vorgaben der zuständigen Behörden.
Ich erlebe in der Praxis häufig, dass ein Werkszertifikat mit einer amtlichen Eichung gleichgesetzt wird. Das führt zu falschen Erwartungen. Ein Zertifikat kann die Genauigkeit und Messunsicherheit dokumentieren, ersetzt aber nicht automatisch die gesetzlichen Anforderungen an eine Eichung.
So prüfen Sie ein Thermometer Schritt für Schritt
Die Eiswasserprüfung für den unteren Messpunkt
Für eine einfache Prüfung füllen Sie ein Gefäß mit reichlich zerkleinertem Eis und geben nur so viel Wasser hinzu, dass eine breiige Mischung entsteht. Das Thermometer wird in die Mischung gehalten, ohne den Boden oder die Gefäßwand zu berühren. Unter normalen Bedingungen sollte die Anzeige nahe bei 0 °C liegen.
Rühren Sie vorsichtig um und warten Sie, bis sich der Messwert stabilisiert hat. Je nach Gerät dauert das etwa 30 Sekunden bis mehrere Minuten. Zeigt das Thermometer beispielsweise 2,1 °C an, ist es nicht zwingend defekt. Entscheidend ist, ob diese Abweichung für Ihre Anwendung akzeptabel ist.
Die Prüfung mit heißem oder kochendem Wasser
Kochendes Wasser wird oft als zweiter Prüfpunkt empfohlen. Das ist jedoch nur eine grobe Kontrolle, denn der Siedepunkt hängt vom aktuellen Luftdruck ab und kann in höheren Lagen oder bei Wetteränderungen deutlich von 100 °C abweichen.
Außerdem ist die Temperatur im Topf nicht überall gleich. Direkt am Boden, nahe der Oberfläche und in der Mitte können unterschiedliche Werte entstehen. Für eine sichere Vergleichsmessung sollte der Fühler ausreichend tief eintauchen, frei hängen und das Wasser bewegt werden. Wegen der Verbrühungsgefahr rate ich zu dieser Prüfung nur bei geeigneten Thermometern und mit ausreichendem Abstand.
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Der bessere Vergleich mit einem Referenzthermometer
Genauer als zwei Extrempunkte ist der Vergleich mit einem kalibrierten Referenzthermometer. Beide Sensoren messen dabei dasselbe Medium, etwa ein temperiertes Wasserbad oder ein Kalibrierbad. Die Sensoren müssen möglichst nahe beieinander liegen, dürfen sich aber nicht gegenseitig berühren.
- Wählen Sie einen Temperaturbereich, der Ihrer tatsächlichen Anwendung entspricht.
- Platzieren Sie Prüf- und Referenzfühler in derselben homogenen Zone.
- Warten Sie, bis beide Anzeigen stabil sind.
- Notieren Sie Sollwert, Prüfwert, Referenzwert, Umgebung und Zeitpunkt.
- Bewerten Sie die Differenz gegen Ihre zulässige Toleranz.
Ein Beispiel aus der Gebäudetechnik: Wenn ein Vorlauffühler um 1,5 K zu niedrig misst, kann die Regelung unnötig nachheizen. Bei einer einfachen Raumüberwachung ist diese Abweichung vielleicht unkritisch, bei einem empfindlichen Prozess kann sie bereits zu groß sein.
Welche Methode zu welchem Thermometer passt
| Thermometertyp | Sinnvolle Prüfung | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Glasthermometer | Vergleich in Eiswasser oder temperiertem Bad | Keine nachträgliche Justage bei vielen Bauarten möglich |
| Digitales Einstichthermometer | Vergleich mit Referenzfühler | Ausreichende Eintauchtiefe und Reaktionszeit |
| Pt100 oder Pt1000 | Flüssigkeitsbad oder Blockkalibrator | Sensor und Anzeige als komplette Messkette prüfen |
| Thermoelement | Vergleichsmessung mit passender Referenz | Stecker, Ausgleichsleitung und Vergleichsstelle berücksichtigen |
| Infrarotthermometer | Schwarzkörperstrahler oder IR-Kalibrator | Emissionsgrad, Messfleck, Abstand und Reflexion |
Bei Kontaktthermometern ist der Sensor entscheidend. Ein hochwertiges Anzeigegerät hilft wenig, wenn der Fühler beschädigt, verschmutzt oder für den Messbereich ungeeignet ist. Bei abnehmbaren Sensoren sollte möglichst die komplette Kombination aus Fühler, Kabel und Anzeige geprüft werden.
Infrarotthermometer werden besonders oft falsch beurteilt. Eine glänzende Metallfläche reflektiert Wärmestrahlung aus der Umgebung, während matte Oberflächen meist leichter zu messen sind. Eine Prüfung mit Eiswasser beweist bei einem IR-Gerät deshalb nicht automatisch, dass es im Heizungs- oder Prozessbereich korrekt arbeitet.
Wann die Prüfung zu Hause nicht reicht
Ein Heimtest beantwortet vor allem die Frage, ob ein Thermometer offensichtlich falsch misst. Er liefert in der Regel keinen belastbaren Nachweis der Messunsicherheit und ersetzt kein Kalibrierzertifikat. Für private Koch-, Raum- oder Bastelanwendungen ist das oft ausreichend.
Ein Labor ist sinnvoll, wenn Messwerte über Freigaben, Hygiene, Sicherheit, Abrechnung oder Produktqualität entscheiden. Das gilt beispielsweise für Kühlketten, Wärmebehandlungen, Laborprozesse, Prüfstände und sicherheitsrelevante Anlagen. Die DAkkS beschreibt die metrologische Rückführung als nachvollziehbare Kette zu nationalen Normalen, die in Deutschland mit der PTB verbunden sind.
Ein professionelles Labor kalibriert meist an mehreren Punkten innerhalb des tatsächlichen Einsatzbereichs. Üblich sind beispielsweise drei Temperaturpunkte, etwa 0, 100 und 200 °C oder -20, 0 und 40 °C. Ein einzelner Punkt kann einen groben Fehler zeigen, sagt aber wenig über die Genauigkeit über den gesamten Messbereich aus.
Für ein einzelnes Gerät mit drei Prüfpunkten liegen einfache professionelle Leistungen je nach Anbieter oft grob bei 150 bis 250 Euro netto. DAkkS-Kalibrierungen, Sonderbereiche, Vor-Ort-Einsätze, Reparaturen und mehrere Sensoren können deutlich teurer werden. Entscheidend ist nicht nur der Preis, sondern ob Messbereich, Messunsicherheit und Zertifikat zu Ihrer Aufgabe passen.
Typische Fehler, die das Ergebnis verfälschen
Der häufigste Fehler ist der Kontakt des Fühlers mit dem Gefäßboden oder der Wand. Das Thermometer misst dann teilweise die Temperatur des Materials und nicht die des Mediums. Auch eine zu geringe Eintauchtiefe kann den Messwert verfälschen, besonders bei Fühlern mit definierter Sensorgeometrie.
- Zu frühes Ablesen: Der Anzeigewert hat sich noch nicht stabilisiert.
- Ungleichmäßiges Medium: In einem ruhenden Wasserbad entstehen Temperaturschichten.
- Falsche Referenz: Zwei unkalibrierte Geräte beweisen nicht, welches richtig misst.
- Unpassender Messbereich: Ein Sensor für Raumtemperatur ist nicht automatisch für hohe Prozesstemperaturen geeignet.
- Verschmutzte Fühlerspitze: Rückstände können die Wärmeübertragung verlangsamen.
- Nur ein Prüfpunkt: Ein Thermometer kann bei 0 °C korrekt und bei 100 °C deutlich falsch sein.
Bei fest eingebauten Fühlern kommt ein weiterer Punkt hinzu. Die Anzeige kann korrekt arbeiten, während der Sensor an einer ungünstigen Stelle sitzt, etwa direkt an einer Rohrisolierung oder in einer schlecht durchströmten Zone. Eine Kalibrierung der Elektronik behebt diesen Einbaufehler nicht.
Für die Prüfmittelüberwachung würde ich außerdem nie nur das Zertifikat abheften. Notieren Sie die zulässige Abweichung, den tatsächlichen Einsatzbereich, das Prüfdatum und einen Anlass für die nächste Prüfung. Ein festes Intervall von zwölf Monaten kann ein brauchbarer Start sein, muss aber nach Nutzung, Belastung und Fehlerhistorie angepasst werden.
Die kleine Prüfroutine, die im Betrieb viel Ärger spart
Für den Alltag genügt eine einfache Kombination aus Sichtprüfung, Eiswasservergleich und Kontrolle gegen ein geeignetes Referenzthermometer. Nach Sturz, Reparatur, ungewöhnlichen Messwerten oder einem Einsatz außerhalb des vorgesehenen Bereichs sollte das Gerät sofort erneut geprüft werden.
Bei kritischen Messungen zählt nicht die Anzeige mit den meisten Nachkommastellen, sondern die nachgewiesene Messunsicherheit. Wer die Messaufgabe, den Temperaturbereich und die geforderte Genauigkeit vor der Beauftragung festlegt, vermeidet unnötige Kosten und erhält am Ende einen Nachweis, der technisch und organisatorisch wirklich brauchbar ist.
