Eine Maschine läuft, ein Werkstück verkantet sich und plötzlich muss jede gefährliche Bewegung sofort stoppen. Genau hier entscheidet ein sauber geplanter Schaltplan für den Not-Aus-Schalter darüber, ob die Sicherheitsfunktion zuverlässig arbeitet oder nur scheinbar vorhanden ist. Ich zeige den typischen zweikanaligen Aufbau mit Sicherheitsrelais, erkläre die Unterschiede zwischen Not-Halt und Not-Aus und gehe auf Rückstellung, Abschaltkategorien sowie häufige Verdrahtungsfehler ein.
Ein sicherer Not-Halt-Kreis trennt nicht einfach nur einen Draht
- Zweikanaligkeit erkennt viele einzelne Verdrahtungs- und Kontaktfehler.
- Ein Not-Halt-Taster verwendet im Sicherheitskreis in der Regel zwangsöffnende Öffnerkontakte.
- Das Sicherheitsrelais überwacht Taster, Rückstellung und Schütze.
- Nach dem Entriegeln darf die Maschine nicht automatisch wieder anlaufen.
- Die Wahl zwischen Stopp-Kategorie 0 und 1 hängt von der Gefährdungsbeurteilung ab.
Was der Schaltplan tatsächlich zeigen muss
Ein Not-Halt-Schaltplan beschreibt nicht nur den roten Pilztaster. Er muss den gesamten Weg von der Betätigung bis zum sicheren Stillstand darstellen. Dazu gehören Steuerstromkreis, Sicherheitsauswertung, Abschaltelemente und Rückmeldung.
Im deutschen Maschinenbau wird zwischen Not-Halt und Not-Aus unterschieden. Not-Halt bringt gefährliche Bewegungen oder Prozesse zum Stillstand. Not-Aus bezeichnet die elektrische Trennung von einer gefährlichen Energiequelle. Ein Gerät kann beide Funktionen kombinieren, die Begriffe sind technisch aber nicht beliebig austauschbar.
| Bauteil | Aufgabe im Sicherheitskreis |
|---|---|
| Not-Halt-Befehlsgerät | Unterbricht bei Betätigung die Sicherheitskanäle und verrastet mechanisch. |
| Zwei Öffnerkontakte | Übertragen das Signal redundant an das Sicherheitsrelais. |
| Sicherheitsrelais oder sichere SPS | Überwacht Kanäle, Querschlüsse, Rückstellung und Schützkontakte. |
| Schütze oder sichere Antriebsfreigabe | Schalten die gefährliche Energie beziehungsweise die Bewegungsfreigabe ab. |
| Reset-Taster | Erlaubt einen kontrollierten Wiederanlauf erst nach dem Entriegeln. |
Die Sicherheitsfunktion beginnt also nicht erst beim Motor. Schon ein klemmender Kontakt, ein Querschluss zwischen zwei Leitungen oder ein verschweißtes Schütz kann die Schutzwirkung beeinträchtigen. Genau deshalb ist eine einfache Reihenschaltung des Tasters mit einer Schützspule bei vielen Maschinen keine ausreichende Sicherheitslösung.
Der typische zweikanalige Aufbau mit Sicherheitsrelais

Für eine typische Maschine mit 24-V-DC-Steuerspannung sieht der Aufbau sinngemäß so aus. Die konkrete Klemmenbezeichnung unterscheidet sich je nach Hersteller, das Prinzip bleibt jedoch gleich.
24 V DC
|
+-- Kanal 1 -- S0.1 Öffner 11-12 --------> Eingang Sicherheitsrelais
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+-- Kanal 2 -- S0.2 Öffner 21-22 --------> Eingang Sicherheitsrelais
Reset-Taster S1 Schließer -----------------> Reset-Eingang
Rückführung K1/K2 Öffnerkontakte ----------> EDM-Eingang
Sicherheitsrelais Ausgang 1 ---------------> Spule K1
Sicherheitsrelais Ausgang 2 ---------------> Spule K2
K1 und K2 Hauptkontakte -------------------> Motor- oder AntriebsfreigabeS0 besitzt dabei zwei getrennte, mechanisch zwangsöffnende Öffnerkontakte. Im Normalbetrieb sind beide Kanäle geschlossen. Wird der Taster gedrückt, öffnen sie und das Sicherheitsrelais fällt ab. Die Maschine darf erst wieder freigegeben werden, wenn beide Kanäle plausibel geschlossen sind und der Reset bewusst betätigt wurde.
So liest du die Klemmen im Beispiel
Bezeichnungen wie 11-12 und 21-22 stehen häufig für zwei Öffnerkontakte des Not-Halt-Geräts. Klemmen wie S11, S12, S21 und S22 bezeichnen bei vielen Sicherheitsrelais die beiden Eingangskanäle. Ausgänge mit Bezeichnungen wie 13-14 oder 23-24 schalten anschließend die Schütze oder eine sichere Freigabe.
Diese Nummern sind kein allgemeingültiges Verdrahtungsgesetz. Ich prüfe deshalb bei jedem Projekt zuerst das Datenblatt des eingesetzten Sicherheitsrelais. Ein identischer Schaltplan kann bei einem anderen Gerät falsch sein, wenn Eingangsspannung, Testimpulse oder Rückführkreis anders aufgebaut sind.
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Warum zwei Kanäle sinnvoll sind
Fällt ein Kontakt aus oder entsteht ein Kurzschluss, kann der zweite Kanal den Fehler zusammen mit der Plausibilitätsprüfung sichtbar machen. Das erhöht die Fehlererkennung, ersetzt aber weder die Risikobeurteilung noch die Validierung der gesamten Sicherheitsfunktion.
Auf der Ausgangsseite werden häufig zwei Schütze K1 und K2 eingesetzt. Ihre zwangsgeführten Öffner-Hilfskontakte liegen im Rückführkreis. Bleibt beispielsweise ein Hauptkontakt nach dem Abschaltbefehl verschweißt, erkennt das Sicherheitsrelais die nicht passende Rückmeldung und verhindert den nächsten Start.
Welche Abschaltvariante zur Maschine passt
Ein Not-Halt muss die Gefahr schnell genug reduzieren, darf dabei aber keine neue Gefahr erzeugen. Bei einem Sägeblatt kann das sofortige Abschalten sinnvoll sein. Bei einer schweren, auslaufenden Achse kann ein kontrolliertes Abbremsen sicherer sein. Die Entscheidung treffe ich daher nicht nach Gewohnheit, sondern anhand der Gefährdungsbeurteilung.
| Stopp-Kategorie | Funktionsprinzip | Typische Anwendung | Wichtige Einschränkung |
|---|---|---|---|
| 0 | Energie wird unmittelbar von den Antrieben getrennt. | Maschinen mit geringer Nachlaufenergie und überschaubarem Auslauf. | Ein abruptes Abschalten kann Werkstücke fallen lassen oder Bewegungen instabil machen. |
| 1 | Zuerst kontrollierter Stopp, danach sichere Energietrennung. | Schwere Antriebe, lange Nachlaufwege oder geregelte Achsen. | Die Steuerung und die Abschaltkette müssen selbst sicher ausgeführt sein. |
Auch pneumatische, hydraulische oder gespeicherte Energien gehören in die Betrachtung. Das Abschalten eines Motors verhindert nicht automatisch das Absinken einer Last, den Druckabbau oder die Bewegung eines Schwungrades. Restenergie muss separat begrenzt, abgebaut oder gehalten werden.
Bei Frequenzumrichtern kann eine sichere Antriebsfunktion wie STO eingesetzt werden. STO bedeutet „Safe Torque Off“ und verhindert die Erzeugung eines Drehmoments. Es ist aber nicht in jedem Fall eine galvanische Trennung der Versorgung. Für Wartungsarbeiten kann deshalb zusätzlich ein abschließbarer Haupt- oder Reparaturschalter erforderlich sein.
Rückstellung und Wiederanlauf sicher lösen
Der rote Taster muss nach der Betätigung verrastet bleiben. Je nach Bauart wird er durch Drehen, Ziehen oder mit einem Schlüssel entriegelt. Das Entriegeln darf jedoch nur den Sicherheitskreis zurücksetzen, nicht unmittelbar den Maschinenstart auslösen.
Der Reset-Taster sollte außerhalb des Gefahrenbereichs liegen und so angeordnet sein, dass die Bedienperson den Bereich einsehen kann. Ist das nicht möglich, braucht die Anlage ein anderes, passend bewertetes Wiederanlaufkonzept. Ein versteckter Reset im Schaltschrank ist bei einer nicht einsehbaren Gefahrenstelle meist keine gute Lösung.
Eine typische Startfolge sieht so aus. Der Not-Halt wird entriegelt, die Schütze werden über den Rückführkreis als abgefallen erkannt, danach wird der Reset gedrückt und erst anschließend ein separater Startbefehl gegeben. Diese Reihenfolge verhindert den gefürchteten unerwarteten Wiederanlauf.
- Not-Halt betätigt: beide Sicherheitskanäle offen.
- Gefahrbringende Energie abgeschaltet.
- Ursache geprüft und Gefahrenbereich kontrolliert.
- Not-Halt entriegelt.
- Reset bewusst betätigt.
- Maschine mit einem separaten Startsignal anlaufen lassen.
Was ich bei Abnahmen besonders kritisch prüfe, ist der Unterschied zwischen „Taster wieder frei“ und „Anlage startbereit“. Beides darf nicht dasselbe sein. Eine Kontrollleuchte kann den Zustand anzeigen, sie darf aber keine sicherheitsgerichtete Rückmeldung ersetzen.
Typische Fehler bei der Verdrahtung
Viele Fehler entstehen nicht durch komplizierte Elektronik, sondern durch eine falsche Grundannahme. Der Not-Halt ist kein gewöhnlicher Ein-Aus-Schalter und auch kein Ersatz für eine trennende Schutzeinrichtung.
- Nur ein Öffnerkontakt wird verwendet, obwohl die geforderte Sicherheitsfunktion zwei überwachte Kanäle benötigt.
- Der Taster wird mit einem normalen Relais oder direkt mit einer SPS-Eingangskarte ausgewertet.
- Ein Schließerkontakt wird als alleiniger Sicherheitskontakt eingesetzt.
- Die Rückführung der Schütze fehlt, sodass verschweißte Kontakte unentdeckt bleiben können.
- Das Entriegeln des Tasters startet die Maschine automatisch.
- Der Not-Halt schaltet nur die SPS ab, während Motor, Ventil oder gespeicherte Energie weiter gefährlich wirken.
- Mehrere Not-Halt-Taster werden ohne passende Reihenschaltung oder Diagnosefunktion zusammengeklemmt.
- Der Sicherheitskreis wird durch einen Softwarebefehl überbrückt, damit die Produktion schneller weiterläuft.
Besonders riskant ist die direkte Unterbrechung einer großen Motorlast durch einen kleinen Pilztaster. Ein solcher Taster ist normalerweise für den Steuerkreis ausgelegt, nicht für das Schalten des vollständigen Motorstroms. Die Last wird über geeignete Schütze, sichere Antriebsfunktionen oder ein dafür zugelassenes Schaltgerät abgeschaltet.
Auch Farben und Kennzeichnungen helfen bei der richtigen Bedienung. Der Betätiger ist rot, der Hintergrund möglichst gelb und das Gerät frei zugänglich. Ein Not-Halt, der hinter einer geöffneten Tür oder hinter Materialstapeln verschwindet, erfüllt seine Aufgabe praktisch nicht, selbst wenn die Verdrahtung technisch korrekt ist.
Prüfung, Dokumentation und sichere Inbetriebnahme
Nach der Verdrahtung reicht eine Durchgangsprüfung mit dem Multimeter nicht aus. Ich prüfe zuerst jeden Kanal einzeln, danach die Reaktion des Sicherheitsrelais, die Abschaltung aller relevanten Aktoren und die Rückmeldung der Schütze. Anschließend wird kontrolliert, ob die Maschine nach Entriegeln und Reset tatsächlich nur über einen neuen Startbefehl anlaufen kann.
Zur Dokumentation gehören der Stromlaufplan, die Klemmenbelegung, die verwendeten Sicherheitsbauteile und die Beschreibung der Stoppfunktion. Bei anspruchsvolleren Anlagen kommen Berechnungen und eine Validierung des erreichten Performance Levels hinzu. Der Performance Level beschreibt, wie zuverlässig ein sicherheitsbezogener Steuerungsteil seine Funktion unter Fehlerbedingungen erfüllt.
| Prüfschritt | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Betätigung | Alle vorgesehenen Gefahr bringenden Bewegungen stoppen. |
| Kanalprüfung | Ein einzelner Leitungs- oder Kontaktfehler darf nicht unbemerkt bleiben. |
| Schützprüfung | Rückführkontakte melden den tatsächlichen Zustand der Abschaltelemente. |
| Resetprüfung | Reset allein darf keinen automatischen Anlauf verursachen. |
| Wiederholungsprüfung | Prüfumfang und Intervall richten sich nach Gefährdungsbeurteilung, Herstellerangaben und betrieblichen Vorgaben. |
Die einschlägigen Grundlagen finden sich in Deutschland unter anderem in DIN EN ISO 13850 für die Not-Halt-Funktion, in DIN EN 60204-1 für die elektrische Ausrüstung von Maschinen und in DIN EN ISO 13849-1 für sicherheitsbezogene Steuerungsteile. Welche Anforderungen konkret gelten, hängt von Maschinentyp, Risiko, Betriebsart und dem erreichten Sicherheitskonzept ab.
Der richtige nächste Schritt vor dem ersten Probelauf
Ein brauchbarer Schaltplan für den Not-Aus-Schalter zeigt mindestens zwei überwachte Öffnerkanäle, ein passendes Sicherheitsrelais oder eine sichere Steuerung, die Rückführung der Abschaltelemente und einen bewusst auszulösenden Reset. Für eine reale Maschine sollte der Plan immer mit der Risikobeurteilung und den Herstellerunterlagen abgeglichen werden.
Mein praktischer Rat lautet deshalb, den Stromkreis nicht nur auf „Maschine stoppt“ zu testen. Entscheidend ist, ob sie bei jedem einzelnen relevanten Fehler sicher bleibt, keine Restenergie unterschätzt wird und nach einer Not-Halt-Betätigung kein unerwarteter Wiederanlauf möglich ist. Arbeiten an 230- oder 400-Volt-Anlagen gehören ausschließlich in die Hände einer dafür qualifizierten Elektrofachkraft.
