Ein Relais schaltet hohe Lasten mit einem kleinen Steuerstrom, doch schon eine vertauschte Klemme kann dazu führen, dass Verbraucher dauerhaft laufen, Sicherungen auslösen oder Kontakte überhitzen. Ich zeige, wie die Relaisbelegung bei den üblichen 4- und 5-poligen Relais funktioniert, welche Bedeutung die Klemmen 30, 85, 86, 87 und 87a haben und wie sich die Verdrahtung sicher prüfen lässt.
Die wichtigsten Klemmen und Prüfungen auf einen Blick
- Klemme 30 führt meist die Versorgungsspannung zum Schaltkontakt.
- Klemme 85 und 86 gehören zur Relaisspule und steuern den Schaltvorgang.
- Klemme 87 ist der geschaltete Ausgang eines Schließers.
- Klemme 87a ist der Ruhekontakt eines 5-poligen Wechslerrelais.
- Bei einer integrierten Diode müssen Plus und Minus an der Spule stimmen.
- Vor dem Anschluss zählen immer Schaltbild, Spannung und Strombelastbarkeit des konkreten Relais.
So liest man das Schaltbild eines Relais
Ein Relais besteht aus zwei elektrisch getrennten Bereichen. Die Spule liegt an den Klemmen 85 und 86. Wird sie mit der richtigen Spannung versorgt, erzeugt sie ein Magnetfeld und bewegt den mechanischen Kontakt im Inneren.
Der zweite Bereich ist der Arbeitsstromkreis. Er führt den eigentlichen Laststrom, zum Beispiel für einen Lüfter, eine Pumpe, eine Hupe oder eine Leuchte. Dadurch muss der Schalter oder das Steuergerät nur den kleinen Spulenstrom schalten, während die größere Last über das Relais läuft.
| Klemme | Typische Funktion | Praktische Bedeutung |
|---|---|---|
| 30 | gemeinsamer Schaltkontakt | Versorgung oder Eingang des Laststromkreises |
| 85 | Spule, meist Minus | Masse oder Rückleitung der Ansteuerung |
| 86 | Spule, meist Plus | Steuerspannung für das Relais |
| 87 | Arbeitskontakt | Ausgang zur Last, bei aktiviertem Relais mit 30 verbunden |
| 87a | Ruhekontakt | Bei nicht aktiviertem Relais mit 30 verbunden |
Diese Zuordnung folgt bei vielen Fahrzeugrelais der DIN-Klemmenbezeichnung 72552. Sie ist eine sehr gute Orientierung, ersetzt aber nicht den Blick auf das aufgedruckte Schaltbild. Gerade bei Industrie- und Elektronikrelais können die Anschlussnummern, Kontaktarten oder Pinpositionen abweichen.
4-polige und 5-polige Relais richtig unterscheiden
Das 4-polige Schließerrelais
Beim 4-poligen Relais gibt es normalerweise die Anschlüsse 30, 85, 86 und 87. Die Spule wird an 85 und 86 angeschlossen. Liegt die Steuerspannung an, verbindet der Kontakt 30 mit 87.
Ein typischer Anschluss im 12-Volt-Bordnetz sieht so aus: Die abgesicherte Batteriespannung geht auf 30, die Last auf 87, Masse auf 85 und das geschaltete Plus auf 86. Die Sicherung gehört möglichst nahe an die Spannungsquelle, damit auch die Leitung bis zum Relais geschützt ist.
Das 5-polige Wechslerrelais
Das 5-polige Relais besitzt zusätzlich den Anschluss 87a. Im Ruhezustand sind 30 und 87a verbunden. Wird die Spule aktiviert, trennt der Kontakt diese Verbindung und schaltet 30 auf 87 um.
Damit lässt sich beispielsweise eine Last zwischen zwei Stromwegen umschalten. Genau hier passieren viele Fehler: 87a ist kein zusätzlicher Dauerplusanschluss, sondern ein Kontakt, der nur im Ruhezustand mit 30 verbunden ist.
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Relais mit zwei Ausgängen
Manche Relais besitzen zwei Klemmen 87 oder einen speziell gekennzeichneten Doppelkontakt. Damit können zwei Verbraucher gemeinsam geschaltet werden. Ob beide Ausgänge tatsächlich denselben Strom führen dürfen, hängt aber vom internen Kontakt und der angegebenen Belastbarkeit ab.
Ich würde zwei größere Verbraucher nicht allein deshalb an ein Doppel-87-Relais anschließen, weil beide Pins vorhanden sind. Entscheidend sind das Datenblatt, der Leitungsquerschnitt und die Summe der Lastströme.

Ein Relais Schritt für Schritt sicher verdrahten
Vor dem Verdrahten trenne ich zuerst die Versorgung und identifiziere das Relais anhand seines Schaltbilds. Die Anordnung der Pins auf der Unterseite kann spiegelverkehrt wirken, wenn man statt der Unteransicht die Oberseite betrachtet.
- Prüfen, ob das Relais für 12 V oder 24 V ausgelegt ist.
- Die Klemmen anhand der Beschriftung oder des Schaltbilds zuordnen.
- Die Lastleitung über eine passende Sicherung an Klemme 30 führen.
- Den Verbraucher an Klemme 87 oder bei Bedarf an 87a anschließen.
- Die Spule an 85 und 86 mit der vorgesehenen Polarität ansteuern.
- Vor dem Einschalten Leitungen, Massepunkte und Steckverbindungen kontrollieren.
Bei einer einfachen Spule ohne Diode ist die Polarität von 85 und 86 oft unkritisch. Eine Freilaufdiode oder elektronische Schutzschaltung im Relais verändert das jedoch. Dann muss in der Regel 86 an Plus und 85 an Minus liegen. Ein falscher Anschluss kann die Ansteuerung oder das Steuergerät beschädigen.
Auch die Kontaktseite darf nicht überlastet werden. Ein Relais mit der Aufschrift 30 A ist nicht automatisch für 30 A bei jeder Spannung, Einschaltdauer und Umgebungstemperatur geeignet. Motoren und Magnetventile erzeugen beim Abschalten außerdem Spannungsspitzen, weshalb Schutzbeschaltungen und geeignete Relaiskontakte wichtig sind.
Mit dem Multimeter Fehler schnell finden
Ein Relais lässt sich meist ohne großen Aufwand prüfen. Im spannungslosen Zustand messe ich zunächst den Widerstand der Spule zwischen 85 und 86. Ein unendlicher Widerstand deutet auf eine unterbrochene Spule hin, ein nahezu null Ohm auf einen möglichen Kurzschluss. Der konkrete Sollwert hängt von Spulenspannung und Bauart ab.
Bei einem 5-poligen Wechslerrelais sollte im Ruhezustand Durchgang zwischen 30 und 87a bestehen. Zwischen 30 und 87 darf zunächst kein Durchgang messbar sein. Wird die Spule mit der korrekten Nennspannung angesteuert, muss sich dieses Verhalten umkehren.
- Kein Klicken und kein Schaltvorgang können auf eine defekte Spule oder fehlende Steuerspannung hinweisen.
- Ein dauerhaft geschlossener Lastkontakt spricht für verschweißte Kontakte.
- Spannung an 30, aber keine Spannung an 87 deutet auf ein Schalt- oder Kontaktproblem hin.
- Starke Erwärmung weist oft auf Überlast, zu dünne Leitungen oder schlechte Steckkontakte hin.
Das Klicken allein ist allerdings kein sicherer Funktionsnachweis. Ein Relais kann hörbar schalten und trotzdem einen verbrannten oder hochohmigen Kontakt haben. Für eine belastbare Prüfung messe ich deshalb zusätzlich die Spannung unter Last.
Typische Fehler bei der Relaisbelegung
Der häufigste Fehler ist die Verwechslung von 87 und 87a. Dadurch läuft ein Verbraucher genau dann, wenn er ausgeschaltet sein sollte, oder er fällt beim Einschalten des Relais aus. Die Lösung ist einfach, aber wichtig: Immer das Kontaktsymbol lesen und nicht nur die Position des Pins übernehmen.
Ebenfalls problematisch ist eine fehlende Sicherung zwischen Batterie und Klemme 30. Bei einem Kurzschluss kann dann der gesamte Leitungsabschnitt überhitzen. Die Sicherung muss zur Leitung und zur erwarteten Last passen, nicht allein zur maximalen Relaisangabe.
Bei Fahrzeugen wird außerdem häufig angenommen, dass 85 immer Masse und 86 immer Plus sein müssen. Das stimmt bei vielen Standardrelais, aber nicht bei jeder Schaltung. Eine integrierte Diode macht die Polarität verbindlich, während ein Relais mit einfachem Spulenwiderstand meist toleranter ist.
Für Netzspannung gelten strengere Regeln. Ein Kfz-Relais ist nicht automatisch für 230 V geeignet, selbst wenn die Stromstärke ähnlich aussieht. In Gebäudetechnik und Industrie müssen Schaltvermögen, Isolationsabstände, Schutzart und die geltenden Installationsregeln zusammenpassen. Arbeiten an Netzspannung gehören in die Hände einer Elektrofachkraft.
Was bei Industrie- und Gebäudetechnik zusätzlich zählt
In Steuerungen sind Relais oft nur ein Teil einer größeren Kette aus Sensor, SPS, Sicherheitskreis und Aktor. Dort entscheidet nicht nur die Pinbelegung, ob eine Schaltung funktioniert. Wichtig sind auch Spulenleistung, galvanische Trennung, Kontaktmaterial und Schaltspielzahl.
Für sicherheitsrelevante Funktionen reicht ein gewöhnliches Relais häufig nicht aus. Not-Halt, Türüberwachung oder Brennersteuerungen benötigen je nach Anwendung geprüfte Sicherheitsrelais oder Sicherheitssteuerungen mit Rückführung und Überwachung. Ein Standard-Wechslerrelais kann zwar elektrisch schalten, bietet aber nicht automatisch die erforderliche Diagnose.
Bei Relaissockeln und steckbaren Modulen sollte ich außerdem prüfen, ob die Pinanordnung wirklich zum Ersatzteil passt. Gleiche Klemmenbezeichnungen bedeuten nicht zwingend gleiche Bauform oder gleiche Kontaktbelastbarkeit. Ein sauber dokumentierter Schaltplan verhindert hier mehr Fehler als jede farbliche Markierung am Kabel.
Die richtige Relaisbelegung entscheidet sich am Schaltbild
Für die meisten Standardfälle genügt die Grundregel: 85 und 86 steuern die Spule, 30 ist der gemeinsame Lastkontakt, 87 der geschaltete Ausgang und 87a der Ruhekontakt. Diese Orientierung macht die Verdrahtung verständlich, aber erst der Aufdruck am konkreten Relais macht sie sicher.
Ich empfehle, vor dem ersten Einschalten drei Dinge zu kontrollieren: Nennspannung, Kontaktfunktion und Absicherung. Wenn das Relais eine Diode, einen Widerstand oder mehrere Ausgänge enthält, sollte zusätzlich das Datenblatt herangezogen werden. So bleibt die Schaltung nicht nur funktionsfähig, sondern auch dauerhaft zuverlässig.
