Ein Taster soll die Beleuchtung einschalten, ohne dass eine Spule dauerhaft unter Spannung steht. Genau hier spielt ein bistabiles Relais seine Stärke aus: Es wechselt durch einen kurzen Impuls den Schaltzustand und behält ihn anschließend ohne weitere Energie bei. Ich erkläre das Grundprinzip, den Ablauf von Setzen und Rücksetzen, die wichtigsten Bauformen sowie die Punkte, auf die es bei Auswahl und Verdrahtung in Gebäudetechnik und Industrie wirklich ankommt.
Die wichtigsten Fakten zum bistabilen Relais auf einen Blick
- Zwei stabile Zustände: Der Kontakt bleibt ein- oder ausgeschaltet, obwohl die Spule danach spannungslos ist.
- Kurzer Schaltimpuls: Zum Umschalten genügt je nach Modell ein Impuls an eine oder zwei Spulen.
- Sehr geringer Halteverbrauch: Nach dem Schalten benötigt die Spule idealerweise keine Dauerleistung.
- Wichtige Varianten: Es gibt Ausführungen mit einer Spule, zwei Spulen oder mechanischer Verrastung.
- Entscheidend bei der Planung: Spulenspannung, Polarität, Impulsdauer, Kontaktbelastung und Verhalten bei Stromausfall müssen zum Einsatz passen.
Warum der Schaltzustand erhalten bleibt
Ein gewöhnliches Relais ist meist monostabil. Wird seine Spule nicht mehr erregt, zieht eine Feder den Anker in die Ruheposition zurück. Ein bistabiles Relais besitzt dagegen zwei stabile Endlagen. Der Kontakt kann also geschlossen oder geöffnet bleiben, ohne dass die Spule dauerhaft Strom bekommt.
Die Haltewirkung entsteht je nach Bauart durch einen Permanentmagneten, eine mechanische Verrastung oder eine Kombination aus magnetischer und mechanischer Kraft. Ein kurzer Stromimpuls bewegt den Anker in die andere Position. Danach reicht die Haltekraft aus, um den Zustand auch über Stunden oder bei abgeschalteter Steuerspannung beizubehalten.
Das ist der zentrale Unterschied zum Standardrelais. Beim bistabilen Prinzip fließt Energie hauptsächlich während des Schaltvorgangs. Der geschaltete Verbraucher kann trotzdem weiterhin Strom aufnehmen, aber die Relaisspule verursacht im Haltezustand praktisch keinen zusätzlichen Verbrauch.
| Merkmal | Monostabiles Relais | Bistabiles Relais |
|---|---|---|
| Ruhezustand | Durch Feder definiert | Eine von zwei stabilen Positionen |
| Haltestrom | Oft dauerhaft erforderlich | Nach dem Impuls nicht erforderlich |
| Verhalten bei Stromausfall | Meist Rückkehr in die Ruhestellung | Letzter Schaltzustand bleibt häufig erhalten |
| Typischer Vorteil | Einfaches Ansteuern | Energieeinsparung und Zustandsspeicherung |
In der Praxis wird der gespeicherte Zustand manchmal als Relaisgedächtnis bezeichnet. Diese Bezeichnung ist hilfreich, darf aber nicht zu falschen Erwartungen führen: Das Relais speichert nur seine Kontaktstellung, keine Messwerte, Zeitverläufe oder Steuerlogik.

So läuft ein Schaltvorgang ab
Der Ablauf lässt sich am einfachsten mit den Begriffen Setzen und Rücksetzen verstehen. Beim Setzen wird das Relais in die gewünschte aktive Stellung gebracht, beim Rücksetzen geht es in die andere Stellung zurück. Welche Kontakte dabei schließen oder öffnen, hängt vom jeweiligen Schaltbild ab.
- Ausgangszustand: Der Kontakt befindet sich beispielsweise in der Stellung „Aus“.
- Steuerimpuls: Eine definierte Spannung wird für kurze Zeit an die Spule oder den passenden Spuleneingang gelegt.
- Bewegung des Ankers: Das Magnetfeld überwindet die bisherige Haltekraft und bewegt den Kontaktmechanismus.
- Neue Endlage: Der Kontakt erreicht die Stellung „Ein“ und wird magnetisch oder mechanisch gehalten.
- Spannung fällt ab: Die Spule ist wieder stromlos, der Kontakt bleibt trotzdem in seiner neuen Position.
Bei einer Ausführung mit einer Spule wird der Wechsel häufig über die Polarität gesteuert. Ein positiver Impuls setzt das Relais, ein umgekehrter Impuls setzt es zurück. Dafür braucht die Ansteuerung beispielsweise eine H-Brücke oder eine geeignete Wendeschaltung.
Andere Modelle nutzen einen einfachen Impuls zum Umschalten. Der erste Impuls schaltet ein, der nächste aus. Das klingt zunächst bequemer, ist aber bei einer Steuerung mit SPS oder Gebäudeleittechnik nicht immer ideal, weil die Steuerung den tatsächlichen Zustand kennen sollte.
Ich bevorzuge bei wichtigen Anlagen eine klare Rückmeldung über einen Hilfskontakt oder einen Eingang der Steuerung. Ein gesendeter Impuls beweist nicht automatisch, dass der Kontakt tatsächlich umgeschaltet hat. Verschmutzte Kontakte, eine zu niedrige Spannung oder eine mechanische Blockade können sonst unbemerkt bleiben.
Einspulen- und Zweispulen-Ausführungen im Vergleich
Die beiden wichtigsten elektrischen Varianten unterscheiden sich vor allem in der Ansteuerung. Bei einer Zweispulen-Ausführung übernimmt eine Spule das Setzen und eine zweite das Rücksetzen. Das ist elektrisch eindeutig und eignet sich gut für getrennte Befehle aus einer Steuerung.
Bei einer Einspulen-Ausführung wird die Umschaltung meist über unterschiedliche Polaritäten oder eine spezielle Impulsfolge ausgelöst. Sie benötigt weniger Spulenanschlüsse, stellt aber höhere Anforderungen an die Elektronik. Ein verpolter oder zu langer Impuls kann je nach Bauart zu einer Fehlfunktion führen.
| Ausführung | Ansteuerung | Stärke | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Eine Spule | Polaritätswechsel oder Umschaltimpuls | Weniger Anschlüsse, kompakte Bauweise | Ansteuerung muss Polarität und Impulsform sicher beherrschen |
| Zwei Spulen | Separate Set- und Reset-Eingänge | Eindeutige Befehle, gut für Steuerungen | Mehr Platz und zusätzliche Verdrahtung |
| Mechanische Verrastung | Impuls bewegt einen Rastmechanismus | Sehr geringer Halteverbrauch | Mechanischer Verschleiß und Schaltgeräusch möglich |
| Magnetische Verrastung | Magnetischer Impuls verändert die Endlage | Schnelles und geräuscharmes Schalten möglich | Magnetische Eigenschaften und Temperatur müssen berücksichtigt werden |
Die Begriffe Impulsrelais, Stromstoßrelais, Halterelais und Remanenzrelais werden im Alltag teilweise überschneidend verwendet. Für die Bestellung zählt deshalb nicht nur die Bezeichnung, sondern das konkrete Datenblatt mit Schaltbild, Anschlussbelegung und zulässiger Ansteuerung.
Wo bistabile Relais besonders sinnvoll sind
In der Gebäudetechnik werden solche Relais häufig für Beleuchtungen mit mehreren Tastern eingesetzt. Jeder Taster gibt einen kurzen Befehl, während das Relais den Laststrom schaltet. Dadurch muss kein Taster den Lampenstrom dauerhaft führen, und die Bedienung bleibt an mehreren Stellen einfach.
Auch in der Industrieautomation sind sie praktisch, wenn ein Schaltzustand nach dem Abschalten der Steuerung erhalten bleiben soll. Typische Beispiele sind Lastabwürfe, motornahe Freigaben, Heizungen, Signalgeber oder die Umschaltung von Versorgungspfaden. Bei batteriebetriebenen Geräten zählt vor allem, dass keine Halteleistung aus dem Akku gezogen wird.
Ein weiterer Anwendungsfall sind Energiezähler und ferngesteuerte Lastschalter. Dort kann ein kurzer Befehl genügen, um einen Stromkreis zu verbinden oder zu trennen. Das spart Energie, macht die Anlage aber nicht automatisch ausfallsicher. Wenn die Last bei einem Spannungsausfall zwingend abschalten muss, ist ein bistabiles Relais oft die falsche Wahl.
Ich setze das Prinzip gern dort ein, wo ein Zustand lange bestehen bleibt und selten geändert wird. Für sehr häufige Schaltvorgänge oder Anwendungen mit sicher definierter Rückkehr nach Spannungsverlust ist ein anderes Relaiskonzept oft robuster und leichter zu überwachen.
Worauf es bei Auswahl und Verdrahtung ankommt
Die erste Prüfung gilt der Spulenspannung. 12 V DC, 24 V DC und 230 V AC sind nicht austauschbar. Ebenso wichtig sind die zulässige Impulsdauer, der Spulenwiderstand, die benötigte Impulsenergie und bei Gleichstrom die richtige Polarität.
Ein zu kurzer Impuls bewegt den Mechanismus möglicherweise nicht vollständig. Ein zu langer Impuls kann die Spule unnötig erwärmen oder bei manchen Ausführungen die Lebensdauer verkürzen. Deshalb sollte die Ansteuerung immer nach den Werten des Herstellers erfolgen, nicht nach einer pauschalen Annahme wie „ein kurzer Impuls reicht schon“.
Auf der Kontaktseite müssen Spannung, Dauerstrom und Einschaltstrom zusammenpassen. Ein LED-Netzteil, Motor oder Transformator kann beim Einschalten deutlich mehr Strom ziehen als im normalen Betrieb. Entscheidend ist daher nicht allein die Angabe „10 A“, sondern ob das Datenblatt die konkrete Lastart und den Einschaltfall abdeckt.
- Spulenspannung und AC- oder DC-Betrieb prüfen
- Setz- und Rücksetzanschlüsse eindeutig kennzeichnen
- Impulsdauer und Polarität aus dem Datenblatt übernehmen
- Kontaktart wie Schließer, Öffner oder Wechsler kontrollieren
- Laststrom einschließlich Einschaltstrom berechnen
- Freilaufdiode, Überspannungsschutz oder Entstörung passend zur Schaltung vorsehen
- Bei Netzspannung die Installation einer Elektrofachkraft überlassen
Bei einer SPS-Ausgabe sollte außerdem geprüft werden, ob der Ausgang den erforderlichen Spulenstrom direkt liefern darf. Manche bistabilen Relais benötigen nur einen kurzen, aber relativ hohen Stromimpuls. Ein Ausgang mit geringer Belastbarkeit braucht dann ein Koppelrelais oder eine geeignete Treiberstufe.
Typische Fehler und wichtige Grenzen
Der häufigste Denkfehler betrifft den Stromausfall. Ein bistabiles Relais behält seinen letzten Zustand, wenn die Haltemechanik korrekt arbeitet. Das kann bei einer Beleuchtung erwünscht sein, bei einer Maschine, Heizung oder sicherheitsrelevanten Abschaltung aber ein Risiko darstellen.
Ein zweiter Fehler ist die fehlende Zustandsrückmeldung. Nach einem Neustart weiß eine Steuerung unter Umständen nicht, ob der Verbraucher tatsächlich ein- oder ausgeschaltet ist. Ein Hilfskontakt, eine Status-LED oder ein digitaler Rückmeldeeingang schafft hier Klarheit.
Auch Kontaktprellen darf nicht unterschätzt werden. Beim Umschalten kann der Kontakt für wenige Millisekunden mehrfach an- und absetzen. Bei empfindlicher Elektronik sind deshalb Entprellung, geeignete Eingangsschaltungen oder eine kurze Auswerteverzögerung sinnvoll.
Bei hohen Lasten entstehen Lichtbögen, die Kontakte abnutzen. Für Motoren, kapazitive Netzteile und große Heizlasten sind deshalb oft Schütze, Solid-State-Relais oder zusätzliche Schutzbeschaltungen geeigneter. Das bistabile Relais kann dabei als Steuerelement dienen, sollte aber nicht automatisch den gesamten Lastfall übernehmen.
Vor der Inbetriebnahme teste ich immer beide Richtungen getrennt. Das Relais muss zuverlässig setzen, zuverlässig zurücksetzen und nach dem Entfernen des Impulses stabil bleiben. Bleibt es in einer Zwischenstellung, schaltet unzuverlässig oder reagiert nur bei längeren Impulsen, gehören zuerst Versorgung, Verdrahtung und Datenblattwerte auf den Prüfstand.
Die wichtigste Planungsentscheidung ist der gewünschte Zustand bei Stromausfall
Ein bistabiles Relais ist dann eine sehr gute Lösung, wenn ein Verbraucher mit kurzen Impulsen geschaltet werden soll und der Zustand ohne Haltestrom erhalten bleiben darf. Seine größten Vorteile sind geringer Eigenverbrauch, einfache Impulssteuerung und zuverlässige Zustandsbeibehaltung.
Vor der Auswahl sollte ich jedoch eine Frage eindeutig beantworten: Soll der Stromkreis nach einem Ausfall in der letzten Stellung bleiben oder sicher abschalten? Erst diese Entscheidung zeigt, ob ein bistabiles Relais, ein monostabiles Relais oder eine überwachte Schützlösung zur Anlage passt. Genau diese scheinbar kleine Festlegung entscheidet in der Praxis oft über eine saubere und sichere Schaltung.
