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Nachteile von Solid-State-Relais - wann ist ein mechanisches besser?

Emanuel Kröger 31. August 2026
Vergleich von EMR und SSR. Ein mechanisches Relais (EMR) und ein Solid State Relais (SSR) werden gezeigt. Nachteile von Solid State Relais sind nicht direkt ersichtlich, aber die Technologie wird erklärt.

Inhaltsverzeichnis

Ein Solid-State-Relais schaltet schnell, leise und ohne mechanischen Kontaktverschleiß. Trotzdem ist es nicht automatisch die bessere Wahl: Wärmeentwicklung, Reststrom im ausgeschalteten Zustand und eine begrenzte Toleranz gegenüber Überlasten können in Gebäudetechnik und Industrie entscheidend sein. Ich zeige, wo die Nachteile von Solid-State-Relais tatsächlich liegen, welche Zahlen man prüfen sollte und wann ein mechanisches Relais die vernünftigere Lösung bleibt.

Die wichtigsten Nachteile auf einen Blick

  • Wärme: Der Spannungsabfall am Halbleiter erzeugt auch im eingeschalteten Zustand Verlustleistung.
  • Reststrom: Im OFF-Zustand fließen je nach Bauart oft einige Milliampere.
  • Überlast: Kurzzeitige Einschaltströme und Spannungsspitzen können das SSR beschädigen.
  • Fehlerverhalten: Bei einem Defekt bleibt der Ausgang häufig leitend, statt sicher zu öffnen.
  • Kosten: Kühlkörper, Sicherung und Schutzbeschaltung erhöhen den Gesamtaufwand.

Schaltplan eines Solid State Relais (SSR) mit Abmessungen. Nachteile wie Wärmeentwicklung sind bei der Montage zu beachten.

Die größten Schwächen liegen im Halbleiter selbst

Ein elektromechanisches Relais trennt seine Last mit einem echten Kontakt. Ein Solid-State-Relais verwendet dagegen meist einen TRIAC oder Thyristor bei Wechselspannung beziehungsweise MOSFETs bei Gleichspannung. Dadurch gibt es keine beweglichen Teile, aber der Ausgang wird im eingeschalteten Zustand nicht völlig widerstandslos.

Bei einem typischen AC-SSR kann der Spannungsabfall am Ausgang beispielsweise bis zu 1,6 V RMS betragen. Bei 10 A entstehen daraus rund 16 W Wärme, bei 20 A bereits etwa 32 W. Das ist der Punkt, den viele bei der Auswahl unterschätzen: Die aufgedruckten 20 A bedeuten nicht, dass das Bauteil diese Last ohne zusätzliche Kühlung dauerhaft verträgt.

Ich bewerte deshalb nicht nur den Nennstrom, sondern immer die komplette Einbausituation. Umgebungstemperatur, Montageabstand, Schaltschrankbelüftung und Kabelanschlüsse entscheiden mit darüber, ob ein SSR zuverlässig arbeitet oder thermisch an seine Grenze kommt.

Wärmeentwicklung macht die Auslegung anspruchsvoller

Die Verlustleistung muss über das Gehäuse oder einen Aluminium-Kühlkörper abgeführt werden. Bei höheren Strömen genügt die Montage auf einer Hutschiene meist nicht. Je nach Bauform werden Wärmeleitpaste, ein Wärmeleitpad oder ein definierter Anpressdruck benötigt.

Ein SSR, das bei 25 °C mit 20 A beworben wird, kann bei 60 °C Umgebungstemperatur deutlich weniger belastbar sein. Werden mehrere Relais dicht nebeneinander montiert, staut sich die Wärme zusätzlich. Für den Schaltschrank bedeutet das mehr Platzbedarf und häufig auch einen höheren Planungsaufwand.

Belastung Typische Folge Was ich prüfen würde
Bis etwa 5 A Kühlung oft noch einfach lösbar Datenblatt, Umgebungstemperatur und Einbauabstand
Etwa 10 A Verlustleistung wird deutlich relevant Spannungsabfall, Kühlkörper und Derating-Kurve
15 bis 20 A Meist definierte Kühlung erforderlich Wärmeberechnung, Sicherung und Montagekonzept

Das sogenannte Derating beschreibt die zulässige Stromreduzierung bei steigender Temperatur. Fehlt eine nachvollziehbare Derating-Kurve, wäre ich bei einer sicherheitsrelevanten oder schwer zugänglichen Anlage vorsichtig.

Reststrom kann ausgeschaltete Verbraucher aktiv halten

Ein Solid-State-Relais ist im ausgeschalteten Zustand nicht vollständig stromlos. Durch Halbleiter und interne Snubber-Schaltungen fließt ein kleiner Leck- oder Reststrom. Bei verbreiteten AC-Modellen liegen je nach Typ beispielsweise bis zu 2 mA bei 100 V oder 5 mA bei 200 V an.

Für eine klassische Heizung ist das meistens unproblematisch. Bei LED-Leuchten, elektronischen Netzteilen, kleinen Motoren oder SPS-Eingängen kann der Reststrom jedoch sichtbare oder störende Effekte verursachen. Eine LED-Lampe kann schwach glimmen, ein Eingang kann fälschlich als HIGH erkannt werden oder ein Netzteil versucht wiederholt zu starten.

Ein parallel geschalteter Bleeder-Widerstand kann die Restspannung reduzieren, erzeugt aber selbst zusätzliche Verlustleistung. Bei Arbeiten an der Anlage darf man sich deshalb nicht allein auf die OFF-Anzeige des SSR verlassen. Für Wartung und sichere Freischaltung braucht es eine geeignete Trennvorrichtung.

Bei DC-Anwendungen sind MOSFET-Relais oft günstiger, wenn besonders geringe Leckströme gefordert sind. Trotzdem muss auch hier der konkrete Datenblattwert geprüft werden, denn „DC-SSR“ sagt allein noch nichts über den tatsächlich zulässigen Reststrom aus.

Lastart und Schaltverfahren entscheiden über die Alltagstauglichkeit

Ein SSR für ohmsche Lasten ist nicht automatisch für jede andere Last geeignet. Heizungen sind meist unkompliziert, während Motoren, Transformatoren, Magnetventile und Schaltnetzteile beim Einschalten hohe Stromspitzen erzeugen. Dieser Einschaltstrom kann den Dauerstrom um ein Vielfaches übersteigen.

Bei einem konkreten 5- bis 20-A-AC-SSR können zulässige Einschaltströme beispielsweise zwischen 60 A und 220 A für einen einzelnen Netzzyklus liegen. Das klingt großzügig, gilt aber nur für definierte Bedingungen. Häufigkeit, Dauer und Wiederholung der Stromspitzen sind ebenso wichtig wie der einmalige Spitzenwert.

Induktive Lasten brauchen Schutz

Induktive Verbraucher erzeugen beim Abschalten Spannungsspitzen und schnelle Spannungsänderungen, die als dv/dt-Belastung bezeichnet werden. Ein Varistor, ein RC-Snubber oder eine geeignete Freilaufbeschaltung kann diese Spitzen begrenzen. Welche Schaltung passt, hängt von AC oder DC, Laststrom und Schaltfrequenz ab.

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Zero-Cross ist nicht immer ein Vorteil

Viele AC-SSR schalten beim Nulldurchgang der Netzspannung. Das reduziert Störungen und Einschaltspitzen bei Heizungen, ist aber für Phasenanschnitt, Dimmer oder bestimmte Motorsteuerungen ungeeignet. Dafür braucht man ein Modell mit geeigneter Ansteuerung, oft ein sogenanntes Random-Turn-on-SSR.

Bei Gleichspannung gibt es wiederum keinen Nulldurchgang. Außerdem haben DC-SSR häufig eine feste Polarität. Ein vertauschter Anschluss kann dazu führen, dass die Schaltung nicht arbeitet oder beschädigt wird. Genau solche Details gehören für mich vor dem Einbau auf die Prüfliste, nicht erst bei der Fehlersuche.

Ein Defekt ist nicht automatisch ein sicherer Zustand

Ein mechanisches Relais kann durch verschweißte Kontakte ausfallen, ein SSR häufig durch einen durchlegierten Halbleiter. Dann bleibt der Ausgang dauerhaft leitend, obwohl das Eingangssignal ausgeschaltet ist. Für eine Heizung, einen Lüfter oder ein Ventil kann das eine unerwartete und gefährliche Situation erzeugen.

Ein Solid-State-Relais sollte daher nicht allein die Sicherheitsfunktion eines Not-Aus-Kreises oder einer Wartungstrennung übernehmen. In solchen Fällen sind zwangsöffnende Kontakte, ein geeignetes Schütz oder eine separate Trennstelle erforderlich. Das SSR kann weiterhin die häufige Betriebsansteuerung übernehmen, aber nicht jede Schutzfunktion ersetzen.

Zusätzliche Halbleitersicherungen oder flinke Sicherungen begrenzen den Schaden bei Kurzschluss und Überstrom. Sie schützen jedoch nicht vor jedem Fehlerfall. Ich plane bei kritischen Verbrauchern deshalb eine Rückmeldung ein, etwa über Stromüberwachung, Hilfskontakt oder Temperaturüberwachung.

Solid-State-Relais oder mechanisches Relais

Die Entscheidung hängt weniger vom Schlagwort „modern“ ab als von Schaltfrequenz, Last und Sicherheitskonzept. Ein SSR spielt seine Stärken bei häufigen, geräuschlosen Schaltvorgängen aus. Ein mechanisches Relais bleibt attraktiv, wenn eine sehr geringe Verlustleistung, eine echte galvanische Unterbrechung im Lastkreis oder ein niedriger Anschaffungspreis wichtiger sind.

Kriterium Solid-State-Relais Mechanisches Relais
Schaltgeräusch Geräuschlos Klickgeräusch möglich
Schaltzyklen Sehr hoch, kein Kontaktabbrand Durch mechanischen Verschleiß begrenzt
Verlustleistung Relevant, oft mit Kühlung Meist sehr gering im geschlossenen Kontakt
OFF-Zustand Reststrom möglich Kontakt trennt den Lastkreis nahezu vollständig
Überlastverhalten Empfindlicher gegenüber Spitzen Kontakt kann kurzzeitig robuster sein
Fehlerbild Häufig Kurzschluss beziehungsweise dauerhaft EIN Kontakt kann offen oder verschweißt ausfallen

Für eine Heizungsregelung mit vielen Schaltvorgängen kann ein SSR trotz Kühlkörper die bessere Wahl sein. Für eine selten geschaltete Pumpe, bei der im ausgeschalteten Zustand wirklich keine Spannung am Verbraucher liegen soll, ist ein mechanisches Relais oder Schütz oft einfacher und transparenter.

Diese Prüfliste verhindert teure Fehlentscheidungen

Vor dem Kauf notiere ich nicht nur Spannung und Nennstrom, sondern fünf weitere Punkte. Gerade bei industriellen Anlagen entscheidet die Kombination dieser Werte über die Lebensdauer.

  • Lastart: ohmsch, induktiv, kapazitiv, Motor, Magnetventil oder Schaltnetzteil.
  • Einschaltstrom: Spitzenwert und Dauer anhand der Herstellerdaten bestimmen.
  • Reststrom: prüfen, ob LED, Netzteil oder SPS-Eingang dadurch aktiv bleiben kann.
  • Kühlung: Verlustleistung berechnen und Derating bei der realen Umgebungstemperatur berücksichtigen.
  • Schutz: passende Sicherung, Varistor, Snubber oder Freilaufdiode vorsehen.
  • Sicherheit: klären, ob eine echte Trennung oder eine überwachte Abschaltung erforderlich ist.

Ein weiterer häufiger Fehler ist die Auswahl nach dem Maximalstrom ohne Reserve. Ich würde bei Dauerlasten nicht blind am Grenzwert planen, sondern die thermische Kennlinie, die Umgebung und die Schalthäufigkeit gemeinsam betrachten. Ein günstiges SSR ohne passende Kühlung kann am Ende teurer werden als ein ausreichend dimensioniertes Schütz.

Wann die Nachteile kaum ins Gewicht fallen

Die genannten Schwächen sind kein pauschales Gegenargument. Bei einer sauber dimensionierten, ohmschen Last, wenigen thermischen Problemen und hoher Schaltfrequenz kann ein SSR ausgesprochen zuverlässig arbeiten. Besonders angenehm ist der geräuschlose Betrieb in Heizungs-, Lüftungs- und Automatisierungsanlagen.

Problematisch wird es vor allem dann, wenn der Reststrom nicht zur Last passt, der Kühlkörper fehlt oder eine induktive Last ohne Schutzbeschaltung geschaltet wird. Meine Faustregel lautet deshalb: SSR für häufiges Schalten, mechanische Kontakte für klare Trennung und sehr geringe Verlustleistung. Wer diese beiden Anforderungen auseinanderhält, trifft in der Praxis meist schnell die richtige Wahl.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Bei einem Spannungsabfall von bis zu 1,6 V RMS entstehen bei 10 A rund 16 W und bei 20 A etwa 32 W Verlustleistung. Deshalb müssen Spannungsabfall, Umgebungstemperatur, Derating-Kurve und gegebenenfalls ein Kühlkörper berücksichtigt werden.

Im OFF-Zustand fließt ein kleiner Reststrom durch das SSR, bei AC-Modellen je nach Typ beispielsweise bis zu 2 mA bei 100 V oder 5 mA bei 200 V. Dieser Strom kann LED-Leuchten, Netzteile oder SPS-Eingänge aktiv halten. Ein Bleeder-Widerstand kann die Restspannung reduzieren, verursacht aber zusätzliche Verlustleistung.

Motoren, Transformatoren, Magnetventile und Schaltnetzteile können hohe Einschaltströme oder Spannungsspitzen erzeugen. Je nach Modell können zwar beispielsweise 60 bis 220 A für einen Netzzyklus zulässig sein, entscheidend sind aber auch Häufigkeit und Dauer der Spitzen. Induktive Lasten benötigen außerdem oft einen Varistor, RC-Snubber oder eine geeignete Freilaufbeschaltung.

Ein mechanisches Relais ist meist sinnvoller, wenn sehr geringe Verlustleistung, eine nahezu vollständige Trennung im OFF-Zustand oder ein niedriger Anschaffungspreis entscheidend sind. Für Sicherheitsfunktionen, Not-Aus-Kreise oder Wartungstrennungen sollte ein SSR nicht allein eingesetzt werden, da es bei einem Defekt häufig dauerhaft leitend bleibt.

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Autor Emanuel Kröger
Emanuel Kröger
Unter dem Namen Emanuel Kröger beschäftige ich mich seit nunmehr vier Jahren intensiv mit den Themen Gebäudetechnik, Industrie und Sicherheit. Diese Bereiche faszinieren mich, weil sie so grundlegend für unseren Alltag und die Funktionsweise unserer Wirtschaft sind. Es ist mir wichtig, komplexe Sachverhalte verständlich aufzubereiten und Ihnen einen klaren Überblick über aktuelle Entwicklungen zu geben. Dabei lege ich Wert darauf, Informationen sorgfältig zu prüfen und sie so darzustellen, dass sie Ihnen wirklich weiterhelfen.

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